Geschichte und Geschichten

Die Fakten zur Geschichte Mönchhagens finden Sie als Zeittafel unter Chronik.
Was sich dort als nüchterne Liste von vergangenen Ereignissen darstellt, war aber einmal für die Menschen erlebte Gegenwart – um das nachvollziehbar zu machen, sollen auf dieser Seite Geschichten erzählt werden, die sich hinter den trockenen Daten der Geschichte verbergen: Zeitzeugenberichte, Anekdoten, Tragisches, Kurioses ...
Dabei ist auch Ihre Einmischung erwünscht – haben Sie Ergänzungen, Anmerkungen, Vorschläge? Dann freue ich mich, wenn Sie diese schicken an:
ortschronik-moenchhagen(at)wissenstexte.de

Wiebke Salzmann, Ortschronistin Mönchhagen

Die Schmiede als Gefängnis für den Papiermüller

Mit dem Mönchhäger Papiermüller Johann Hinrich Hennings hatten seine Nachbarn und auch der Amtmann einigen Ärger. 1764 beschlagnahmte die herzogliche Kammer Hennings Vermögen, weil er mit den Abgaben im Rückstand war. Der Müller entschuldigte dies mit Schäden durch den 7-jährigen Krieg, dennoch wurden Haus und Scheune mit allem, was darin war, beschlagnahmt. Hennings‘ Äcker sollten nun von Mönckehagener Bauern bewirtschaftet werden. Die beschwerten sich jedoch, der Mühlenacker sei zur Saat schlecht vorbereitet und müsse noch zweimal umgebrochen werden. Und die Müllerin müsse endlich aufhören, die Leute zu beschimpfen, sonst würden die Bauern sich nur um die eigenen Felder kümmern.

Im September berichtet Oberamtmann Brandt dem Herzog, dass der Papiermüller die behördlichen Siegel an Haus und Scheune erbrochen hatte. Durch Ritzen im Tor sah man, dass Hennings beschlagnahmtes Korn beiseite geschafft und gedroschen hatte. Die Behörde legte nun doppelte Schlösser an, doch einen Monat später drosch Hennings erneut beschlagnahmtes Getreide.

Daraufhin ließ Brandt Hennings verhaften, in eine Kammer in der Schmiede sperren und von einem Unteroffizier bewachen. (Dies war nicht die Schmiede gegenüber dem Feuerwehrgebäude, die gab es damals noch nicht.) Am 8.10.1764 wurde Hennings dem Amtsrichter vorgeführt, wo er sich recht unverschämt benahm. Er wollte nicht gewusst haben, dass die Schlösser amtlich waren, schließlich habe er nicht gesehen, wer sie angelegt hatte, er sei nicht zu Hause gewesen. Weil Hennings im Gericht hin und her spatzirte und den Rücken kehrte, ließ ihm das Gericht einen Puckel voll Prügel androhen.

Bis zur Urteilsverkündung wurde der Müller wieder in die Schmiede gebracht, konnte jedoch fliehen und entkam nach Rostock. Der Rostocker Kaufmann Brüssing war dann bereit, für Hennings Schulden zu bürgen, und der Papiermüller durfte zurück auf die Mühle.

Wo es keinen Monat dauerte, bis er wieder für Ärger sorgte.

Die Papiermühle lag am Mühlgraben, der vom Mühlenteich aus als Nordarm des Peezer Baches hinter den Höfen  entlang floss (siehe Skizze). Der Südarm verließ den Teich weiter südlich und floss so wie heute auch.

Hennings grub nun bachaufwärts der Mühle einen Verbindunsgraben zwischen Mühlgraben und Südarm. Wenn er den Mühlgraben nun sperrte, floss das Wasser aus dem Teich vollständig in den Südarm, der Mühlgraben lag trocken und Hennings konnte sein Mühlrad reparieren – was er im Prinzip auch durfte. Mit dem Mühlgraben lag aber der ganze der Nordarm trocken, d. h., es floss kein Wasser mehr zu den Höfen. Zudem führte der Südarm zu viel Wasser. Die Bauern saßen also ohne Wasser auf ihren Höfen und hatten auch noch versumpfte Wiesen am Südarm. Was sie sich natürlich nicht gefallen ließen.

Im November 1764 beschwerten sie sich beim Herzog, woraufhin dieser am 5. Dez. 1764 dem Oberamtmann Brandt drohte, er solle endlich tätig werden, nachdem das Treiben des Papiermüllers nun schon zwei Jahre dauerte, ansonsten müsste Brandt mit Schadensersatzforderungen rechnen. Brandt setzte dann einen Ortstermin an und im Jan. 1765 erhielt der Papiermüller eine zweimonatige Frist, um den Graben zuzuschütten. Gedauert hat es dann wegen Frost bis Mai, dann war der Graben beseitigt.

In einer Karte von 1786 gibt es ebenfalls eine Verbindung vom Südarm zum Nordarm, aber bachabwärts der Mühle. Durch Absperren des Mühlgrabens konnte man ebenfalls die Mühle für Reparaturen trocken legen. Das Wasser floss aber nun über den Verbindungsgraben um die Mühle herum in den Nordarm und versorgte die Höfe weiterhin mit Wasser.

Die Papiermühle zu Mönchhagen

Mögliche Ansicht der Mühle von Westen um 1750: Belegt sind die beiden Mühlräder, das oberschlächtige Gerinne und die Verschalung mit Tannenbrettern am oberen Giebel sowie mit Eichenbrettern am unteren Giebel und halben Erdgeschoss. Eine Abseite gab es lediglich auf der Nordseite. Das Dach muss hoch gewesen sein, denn es gab einen oberen und einen unteren Boden.
Lage der Papiermühle

Das Verzeichnis Was anietzo Vor Unterthanen an Bawleuten, Cossaten, Einlieger, Müller, Schäfer und Schmiede im Ambte Ribbenitze vorhanden vom August 1635 führt bereits eine Papiermühle in Mönchhagen auf. Das Mühlengebäude wurde gegen Ende des 19.Jh abgerissen und der Mühlenteich abgelassen, heute zeugt nur noch das sumpfige Gelände hinter der Fa. Göllnitz von dem Teich.
Die Papiermühle war eine Wassermühle und lag am heutigen Ortsausgang nach Häschendorf – die  Straße gab es damals noch nicht. Hier teilt sich der Peezer Bach in Nord- und Südarm. Nach der Teilung knickt der Nordarm nach Norden ab, um sich dann direkt hinter den Grundstücken wieder nach Westen zu wenden. Hier hatte man den Mühlengraben zwischen Teich und Nordarm gezogen und an diesem die Mühle errichtet. Die Schleife über Südarm und abknickendem Nordarm konnte man vermutlich als Umfluter nutzen und hier das Wasser bei Reparaturarbeiten um die Mühle herumleiten.
Die Wassermühle war oberschlächtig, d. h., das Wasser traf von oben auf das Mühlrad, nachdem es über ein Gerinne vom Stauwehr am Mühlenteich zum Rad geflossen war.
Dank einer Inventarliste von 1751 wissen wir einiges über das Aussehen der Mühle. Das Wohnhaus war ein 65 Fuß langes und 35 Fuß breites (1 Fuß ca. 30 cm) Fachwerkgebäude mit Strohdach und insgesamt 42 Taffel-Fenstern (d.h. mit rechteckigen statt Butzenscheiben), davon 19 in Mühle und Werkraum und 8 in der Stube.
Die Giebel lagen auf West- und Ostseite, die Haustür, deren obere und untere Hälfte getrennt zu öffnen waren, befand sich an der Südseite. Rechts von der Haustür lagen Stube, 2 Kammern und Küche, links lag die eigentliche Mühle. Zudem befanden sich noch ein Vieh- und ein Pferdestall im Haus.
Weitere Gebäude waren der Schweinekoben, die Scheune und ein Zweifamilien-Katen. Neben Ackerland und einer Wiese am Teich hatte die Mühle drei Gärten mit 135 Obstbäumen und einem Backofen.
Die Papiermühle war über die Jahrhunderte immer gut für Geschichten – davon mehr demnächst.

Mönchhagen und die Mönche aus Riga

Seit den 1430er Jahren sind in Mönchhagen Namen wie Hallier, Haller, Holler usw. belegt, die auf eine Herkunft ersten Bauern aus Halle/Westfalen hindeutet. Tatsächlich holte Heinrich Borwin I. ab etwa 1200 Siedler aus Niedersachsen und Westfalen in das heutige Mecklenburg. Die Siedler rodeten den Wald und errichteten auf diesen „Hagen‟ ihre Dörfer. Bei der Gründung Mönchhagens waren offenbar aber auch Mönche beteiligt. Aber welche Mönche? Mönchhagen wird erstmals erwähnt in einer Urkunde von 1252, in der Fürst Borwin die Rostocker Heide an Rostock verkauft. 1909 schreibt der Heimatforscher Ludwig Krause zu dieser Urkunde:
[...] Nur soviel scheint aus der ersten Namensform: Indago monschorum (der Hagen der Mönche) hervorzugehen, daß ein Mönchskloster der erste Besitzer des Ortes war, vielleicht das livländische Cisterciensienkloster Dünamünde,
[...] In derselben Urkunde wird erwähnt, dass das Kloster Doberan Besitz am heutigen Stromgraben hatte. Man möchte daher zunächst annehmen, dass die Zisterzienser aus Bad Doberan Mönchhagen gründeten.
Wie kommt Krause dann auf Dünamünde – das heutige Riga in Lettland? Das Kloster Dünamünde wurde 1205 gegründet und erhielt 1235 von Papst Gregor IX. Bentwisch und Volkenshagen. Es ist daher durchaus möglich, wenn nicht wahrscheinlich, dass damit auch die Wälder zwischen Bentwisch und Volkenshagen, in denen Mönchhagen gegründet wurde, an Dünamünde gingen. Welches der beiden Klöster (oder ein drittes) Mönchhagen tatsächlich gründete, bleibt wohl im Dunkel der Geschichte. Aufgrund der Lage der jeweiligen Klosterländereien erscheint jedoch die Gründung Mönchhagens durch lettische Mönche plausibler. Dafür spricht auch, dass Teile des Dorfes ab Ende des 13. Jh. in weltlichem Besitz waren und 1340 der gesamte Ort an Rostock verkauft wurde, denn aus dem Kloster Dünamünde wurde zu Beginn des 14. Jh. eine Burg des Deutschen Ordens, während das Kloster Doberan weiter bestand und auch noch weitere Ländereien erhielt, 1365 bspw. Sanitz. Damit wäre Mönchhagen zwischen 1235 und 1252 gegründet worden.

125 Jahre Bahnanbindung in Mönchhagen

Am 30.12.1890 meldet die Rostocker Zeitung: Wie wir erfahren, wird am 1. Januar an der Stralsund-Rostocker Eisenbahn eine neue Haltestelle in Mönkhagen eröffnet werden.
Der Mönchhäger Bahnhof ist jetzt also 125 Jahre alt. Damals war die Anlage umfangreicher als heute. In einem Lageplan von 1909 gibt es zwei zusätzliche Ladegleise. Die eingezeichnete Ladestraße führt heute bis zur Straße nach Kussewitz – diese gab es 1909 noch nicht. Den Bahnübergang gab es zwar, aber Der südliche Übergang beim Bahnhof Mönchhagen [...] ist kein öffentlicher Übergang und dient zur Zeit nur den wirtschaftlichen Interessen der Erbpächter Schulze und des Rittergutsbesitzers Kuhlenkampf. Aus dieser Veranlassung ist der Weg mit Handschranken verschlossen, die nur im Falle des Bedürfnisses von den beiden Interessenten [...] geöffnet und wieder verschlossen werden. So schreibt die Königliche Eisenbahndirektion Stettin. Inzwischen ist der Bahnübergang öffentlich und wer schon vor der Jahrtausendwende in Mönchhagen wohnte, wird sich erinnern, dass diese Schranken bis dahin per Hand gekurbelt wurden.
1909 lag der öffentliche Übergang östlich des Bahnhofs, links neben dem Mehrfamilienhaus aus Backstein. Hier wohnten die Bahnbeamten, 1919 bspw. drei Weichensteller mit ihren Familien. Im Dachgeschoss des Bahnhofs selbst wohnte der Bahnhofvorsteher.
Reste der eingezeichneten Laderampe sind noch unter dem Gras zu erkennen, wenn man den Weg hinter der Bahn entlanggeht. Zum Gut Kussewitz führte noch eine Feldbahn; das waren kleine Bahnen zum Erntetransport.
Das Bahnhofsgebäude besteht aus dem Hauptgebäude, dem Güterschuppen (heute Karl‛s Ideenbahnhof) und dem Stellwerksvorbau. Da, wo heute die Fahrradständer installiert sind, befand sich bis vor ca. 10 Jahren ein Toilettenhaus. (Für ein Foto davon für die Ortschronik wäre ich dankbar!)

Eine deutsche Eisenbahn untergeordneter Bedeutung

Fahrplan von 1893; Das Zeichen x bedeutet: Zug hält nur nach Bedarf. Die Nachtzeiten ( von 6:00 abends bis 5:59 morgens) sind durch Unterstreichung der Minutenziffern gekennzeichnet.

Auch heute wurde die Strecke Rostock-Ribnitz der Stralsund-Rostocker Bahn durch Probezüge im Anschluß an die fahrplanmäßigen Abgangszeiten befahren. Von diesen Zügen, auf welchen freie Personenbeförderung stattfand, war namentlich der nach Ribnitz fällige Morgenzug stark besetzt.
So schrieb die Mecklenburgische Zeitung am 1. Juni 1889 in der Rubrik „Kleine Notizen‟. Im Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin vom 27. Mai 1889 gibt das Großherzoglich Mecklenburgische Ministerium des Innern bekannt:
Das unterzeichnete Ministerium bringt hierdurch zur allgemeinen Kenntniß, daß die Eisenbahnstrecke Rostock-Ribnitz der Stralsund-Rostocker Eisenbahn am 1sten Junius d. J. für den Personen- und Güterverkehr nach Maßgabe der Bahnordnung für deutsche Eisenbahnen untergeordneter Bedeutung [...] in Betrieb genommen werden wird.
Diese Strecke „untergeordneter Bedeutung‟ wurde von der Königlich Preussischen Staatsbahn, Direction Berlin betrieben (Stralsund lag in Preußen), nach einem Vertrag von 1884. Es fuhren 5 Züge je Richtung pro Tag, die zunächst in Stralsund, Ribnitz, Gelbensande, Rövershagen, Bentwisch und Rostock hielten. 1891 waren Alteheide, Schwarzenpfost und Mönkhagen in den Fahrplan aufgenommen – allerdings wurde hier nur nach Bedarf gehalten. Die Eisenbahnfahrpläne wurden zweimal im Jahr im Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Mecklenburg-Schwerin veröffentlicht.
Im Jahre 1893 fuhren die Züge in Ribnitz um 10 min später ab, in Rostock 11 min später. Das lag nicht an zusätzlichen Halten oder Gleisbaustellen – sondern an der Umstellung der bis dahin geltenden Ortszeiten auf die mitteleuropäische Zeit. Am 1. April 1893 mussten die Uhren in Doberan um 12 min 22 s, in Ribnitz um 10 min 15 s, in Rostock um 11 min 25 s und in Warnemünde um 11 min 38 s vorgestellt und auch der Fahrplan angepasst werden (Regierungsblatt, 20. 3. 1893).

Büdner Rath und der Mahlzwang

Wie wir wissen, hat es in Mönchhagen seit dem 18. Jhdt eine, in den 1890er Jahren sogar zwei Windmühlen gegeben. Die eine wurde 1881 auf einer Häuslerei erbaut und lag an den Bahnschienen Richtung Rövershagen, die andere stammte aus der Mitte des 18. Jhdts, gehörte zum Erbpachthof Nr. 13 und lag etwa beim heutigen Appelboomweg. Nun durfte man aber damals sein Getreide nicht mahlen lassen, wo man wollte – wegen des Mühlenzwangs mussten die Bauern dies in einer bestimmten Mühle tun. Das war entweder eine Mühle, die dem Grundherrn gehörte, oder – wie in Mönchhagen – eine Mühle, die zwar in Erbpacht vergeben war, aber dem Grundherrn (in Mönchhagen dem Großherzog) entsprechend hohe Pachtzahlungen einbrachte. Es war möglich, sich vom Mahlzwang befreien zu lassen, dafür musste man jedoch ein Surrogatgeld zahlen – schließlich wollte der Grundherr trotzdem zu „seinem‟ Geld kommen.
Mit der Einführung der Gewerbefreiheit wurde der Mahlzwang zwar bis 1866 aufgehoben, das Surrogatgeld wurde in einigen Büdnereien in Mönchhagen jedoch weiter erhoben. Darüber beschwerte sich L. Rath, Büdnerei Nr. 1 im März 1899 beim hohen Großherzoglichen Ministerium.
Die Antwort darauf zeigt, dass die Auslegung von Verträgen mit spitzfindiger Logik, aber nicht immer mit gesundem Menschenverstand zu tun haben muss:
Man wies ihn zunächst daraufhin, dass für seine Büdnerei zwar niemals ein Mahlzwang an sich bestanden habe – Doch aber enthält der erste für die Büdnerei ertheilte Grundbrief die Bestimmung, daß sich der Besitzer den Anordnungen und Einrichtungen in Betreff des Mühlenzwanges zu unterwerfen habe. Eine dieser Einrichtungen sei das Surrogatgeld, das er für die Befreiung vom Mahlzwang zu zahlen habe. Weil das Surrogatgeld aber nun zu zahlen war, obwohl gar kein Mahlzwang bestand, habe auch die Aufhebung des Mahlzwanges keinen Einfluss auf das Surrogatgeld und er müsse weiterhin zahlen.
Das dürfte bei Büdner Rath einen mittelschweren Wutanfall ausgelöst haben ...

Großherzog haftet nicht bei Schneckenfraß

Bis ins 20. Jahrhundert konnten die Bauern ihr Land nur pachten. Da die Landwirtschaft mit der industriellen Revolution immer mehr Menschen ernähren musste, die Zeitpachtverträge aber wenig Anreiz boten, über den eigenen Bedarf hinaus zu produzieren, wurde Ende der 1860er Jahre in Mecklenburg-Schwerin die Vererbpachtung eingeführt.
Die jährliche Abgabe wurde für Domanialbauern – also in Dörfern, die dem Landesherrn gehörten, wie Mönchhagen – i.d.R. in das sog. Kanonkapital umgewandelt (kapitalisiert): Es wurde das Kapital berechnet, das über die Zinsen dem Großherzog die Einnahmen sicherte, und als Hypothek ins Grundbuch eingetragen. Die Zinsen von i.d.R. 4 % waren als jährliche Pacht zu zahlen. Diese Hypothek konnte der Bauer kündigen und zurückzahlen. Der Erbpachtvertrag blieb dabei in Kraft – der Bauer wurde also nicht Eigentümer, war aber die regelmäßigen Zahlungen los.
In einem Erbpachtcontract von 1881heißt es bspw., dass der Canon zu 16 425 Mark capitalisiert wird. Das Capital kann seitens des Erbpächters halbjährig ... gekündigt werden. ... Unsererseits dagegen verzichten Wir auf die Befugnis zur Kündigung dieses Capitals.
Der Pächter lief also keine Gefahr, dass der Herzog ihm die Hypothek kündigte und ausgezahlt haben wollte.
Darüberhinaus sicherte der Großherzog jedoch nichts zu – weder wurde der Zustand der Ländereien gewährleistet, noch Entschädigungen gewährt bei Zu- und Unglücksfällen wie Misswachs, Viehsterben, Feuer-, Hagel-, Wasser-, Sturm- und Wildschaden, Mäuse-, Wurm- und Schneckenfraß, sowie wegen Kriegserleidungen.
Die Bewirtschaftung stand zur freien Entschließung des Erbpächters – mit einer Reihe „Abers‟: Das Erbpachtgrundstück musste ein landwirtschaftlicher Betrieb bleiben, durfte nicht geteilt und auch nicht mit anderen zusammengelegt werden. Vererben oder verkaufen durfte der Bauer jedoch. Allerdings hatte der Großherzog ein Vorkaufsrecht und auch im Erbfall musste er den neuen Erbpächter anerkennen.

 

Wiebke Salzmann, Ortschronistin Mönchhagen
ortschronik-moenchhagen@wissenstexte.de

Walkmühle, Marterkasten, Knochenknacker,

...waren lt. Wikipedia noch gemäßigte Schimpfnamen für die Postkutschen. Diese waren nicht nur unbequem, sondern mit 5–10 km/h auch kaum schneller als ein Wanderer.
Entsprechend großzügig waren die Zeitangaben zum „Postcours‟ im Meckl.-Schwerinschen Staatskalender von 1800: Die Stralsunder Fahrpost fuhr Sonntags und Donnerstags vormittags von Rostock nach Stralsund, Mittwochs und sonntags vormittags ging es zurück.
Die Chaussee (heute die B105) existierte damals noch nicht, weshalb man von Rostock den Hansischen Botenweg nahm: über Bentwisch, Finkenberger Krug (heute Heidekrug), Landkrug, Willershagen, Ribnitz und Damgarten.
1839 gab man schon Uhrzeiten an: Abgang aus Rostock So und Do 4–5 Uhr (Nachm.), Ankunft in Stralsund Mo und Fr 9 Uhr (vorm.) – also 16 Std. Fahrtzeit!
1843 fuhr die Post täglich von Rostock nach Stralsund: Abfahrt abends um 8 Uhr, Ankunft am folgenden Tag morgens um 6–7 Uhr, womit die Fahrt nur noch 10 Std. dauerte. Die Ursache könnte sein, dass die Chaussee vermutlich 1843 fertiggestellt wurde.
Zwar werden zwischen Rostock und Ribnitz keine Zwischenhalte genannt, aus denen man die Strecke ableiten könnte, die Postkutschen dürften aber auf der Chaussee gefahren sein.
Später gibt es wieder Details zum Fahrtverlauf: Es ging über Bentwisch und Rövershagen nach Ribnitz, was dem Verlauf der Chaussee entspricht. 1883 hatte sich die Fahrtzeit mit 8,5 Std. nahezu halbiert und es gab nun zwei Fahrten pro Tag und Richtung.
Das Zeitalter der Postkutschen ging in unserer Gegend am 31. Mai 1889 zu Ende:
Heute Nachmittag 5 1/2 Uhr ging die letzte Fahrpost von hier nach Ribnitz ab. Den mit Laub festlich geschmückten Postwagen führte ein Postillion in Staatsuniform und lenkte denselben, das Lied „Muß i denn, muß i denn zum Städtele hinaus“ blasend, in langsamer Fahrt vom Postgebäude die Straße entlang.
(Meckl. Zeitung, 1. 6. 1889)
Denn am 1.6. wurde die Bahnstrecke Rostock–Ribnitz in Betrieb genommen.

Über weitere Informationen oder gar Fotos zum Thema würden wir uns freuen!

1 Meile nach Rostock

Seit der neue Radweg zwischen Mönchhagen und Purkshof fertig ist, hat man Gelegenheit, ungehindert ein Denkmal der Verkehrsgeschichte zu bestaunen: den Meilenstein auf Höhe der Shell-Tankstelle. Meilensteine (auch Postsäule genannt) wurden im 18. und 19. Jhdt. aufgestellt. Ihre Entfernungsangaben dienten ursprünglich der Post, um Beförderungszeiten und Gebühren für Post- und Personenbeförderung festzusetzen. Nachdem man mit dem Bau von Chausseen begonnen hatte, markierten die Steine auch die Entfernungen entlang der ausgebauten Landstraßen. Laut einer Info-Tafel der Forschungsgruppe „Meilensteine‟ stammt der Mönchhäger Stein von ca. 1842–1846. Die Chausseen (oder Kunststraßen) werden im Meckl.-Schwerinschen Staatskalender von 1843 erstmals erwähnt (in Mecklenburg-Schwerin hatte man 1826 mit dem Bau begonnen, zunächst von der preußischen Grenze nach Boizenburg). 1843 wurde die Chaussee durch Mönchhagen mit den Endpunkten „Rostock‟ und „Ribnitz‟ angegeben, 1844 mit „Rostock‟ und „Pass bei Damgarten‟. Wenn das nicht nur eine Ungenauigkeit in der Bezeichnung war (was ich in einem Werk wie dem Staatskalender für unwahrscheinlich halte), würde das bedeuten, dass die Chaussee 1842 noch in Bau war (weil der Staatskalender von 1843 sich auf das Jahr 1842 bezieht). Auch die Postkutschenfahrpläne sind ein Indiz, dass die Chaussee von Rostock nach Ribnitz 1842 gebaut wurde – aus der 1842 noch zweimal pro Woche gehenden Fahrpost wird 1843 eine täglich gehende Personenpost. Das könnte auf eine Verbesserung der Straßenverhältnisse hindeuten.Der Meilenstein wird beim Chausseebau mit aufgestellt worden sein, was ebenfalls dafürspricht, dass der Stein Anfang der 1840er Jahre errichtet wurde.Man unterschied Ganz-, Halb- und Viertelmeilensteine. Der Mönchhäger Stein trägt die Aufschrift „1 Meile nach Rostock‟, ist also ein Ganzmeilenstein. Eine Meile betrug etwa 7,5 km. Die Chaussee begann mit Kilometer 0 am Neuen Markt in Rostock, Mönkhagen lag bei Kilometer 9,5 (Staatskalender von 1895); die Meile hat sich demnach wohl auf die östliche Stadtgrenze bezogen.In Bentwisch und Altheide gab es lt. Staatskalender von 1844 Chausseehäuser (Dienstgebäude eines Chausseewärters). Ein solcher ist aber auch in Mönchhagen belegt. In der Volkszählung von 1867 wird in der Büdnerei 3 der Chausseewärter Heinrich Maybohm genannt, in der von 1900 Friedrich Järn. Der Chausseewärter hatte die Straße sauber zu halten, Löcher zu flicken, aber auch Strafen zu kassieren sowie Mautgebühren. Dabei sollte er die Reisenden aber nicht drangsalieren: „Plackereien gegen Reisende [...] wird mit Leibes- oder Gefängnisstrafe, während welcher ein Arbeiter auf Kosten des arretirten Chausseewärters zu halten ist [...] bestraft‟ heißt es in Instructionen für Chausseewärter von ca. 1840.

Wiebke Salzmann, Ortschronistin Mönchhagen
ortschronik-moenchhagen(at)wissenstexte.de

Erdölhavarie bei Mönchhagen

In den Norddeutschen Neuesten Nachrichten vom 22. Juni 1973 war folgende Verkehrsmeldung zu lesen:

Verkehr umgeleitet
Rostock. Durch eine technische Störung an der Erdölleitung Rostock–Schwedt in der Nähe von Mönchhagen mußten der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Rostock–Stralsund und der Straßenverkehr auf der F105 umgeleitet werden. [...]

Aus Augenzeugenberichten erfährt man jedoch, dass das Ganze etwas gravierender war als eine technische Störung.
Es begann mit einem großen Knall in der Nähe des Bahnübergangs nach Klein Kussewitz. Dann schoss eine Ölfontäne aus der geborstenen Leitung, der Riss in der Rohölleitung soll ca. 2 m lang gewesen sein. Die Reibung des herausschießenden Öls an den Rändern des Risses erzeugte einen Ton wie von einer Sirene. Es dauerte eine Weile, bis man überhaupt an die Leitung herankam – zunächst musste ja der Ölzufluss gestoppt und die Leitung abgeschiebert werden. Nach Erinnerungen älterer Kameraden der FFw Mönchhagen haben sie (und auch Kameraden benachbarter Wehren) mehrere Tage lang öldurchtränktes Erdreich von Hand geschaufelt, denn der Bagger kam nicht bis an die Leitung heran. Mit Lkw wurde die Erde abgefahren, während das Öl zwischen den Klappen an der Ladefläche hindurchlief. Man versuchte, das Öl mit Barrieren aus Stroh aufzuhalten, den Peezer Bach erreichte es dennoch und strömte im Bach bis zum Stillen Frieden. In die Ostsee gelangte es wohl nicht. Eine Spezialfirma hat das geborstene Rohrstück ausgetauscht und zwar mit einer Kettensäge aus Kunststoff, um Funkenbildung zu vermeiden. Auch bei ihrer Arbeit mussten die Kameraden wegen der Brandgefahr darauf achten, bspw. nicht mit dem Spaten auf Steine zu schlagen.
Eine Einwohnerin erinnert sich, dass noch über Tage und Wochen das Erdreich weggebaggert wurde.
Die Ölpipeline südlich von Mönchhagen verläuft zwischen dem Seehafen Rostock und der Ölraffinerie in Schwedt. Sie transportiert seit 1969 Rohöl über die 203 km vom Hafen zur Raffinierie.

Drei Brote pro Woche

Dieser Eintrag im Gemeindebuch zeigt sehr drastisch, was Krankheit früher bedeuten konnte:
Protokoll über die Verhandlungen der Gemeindeversammlung am Freitag 15. Juni 1934 nachmittags 4 Uhr im Schulhause zu Mönchhagen
Tagesordnung
Punkt 1. Antrag Frau N. auf Unterstützung weil ihr Mann im Krankenhause ist.
[...]
zu Punkt 1 wird beschlossen, dass N. drei Wochen jede Woche 3 Brote erhalten soll.

Sirenen-Chaos

(Nach einem Beschwerdebrief des Bürgermeisters an den Rat des Kreises vom November 1963)
Es hat in Mönchhagen früher zwei Sirenen gegeben – eine auf dem Dach des Rates der Gemeinde (heute das verfallende Haus an der Bushaltestelle, B105) und eine im Unterdorf.
Am 29. 10. 1963 schaltete sich kurz vor 8.00 Uhr morgens die Sirene auf dem Dach des Rates der Gemeinde von selbst ein und ließ sich nicht wieder abschalten. Erst durch das Herausdrehen der Sicherungen konnte man die Sirene zum Schweigen bringen.
Man vermutete eine Auslösung der Sirene durch die Post und benachrichtigte die Störungsstelle. Nachdem ein Kollege von der Störungsstelle die Sirene überprüft hatte, wurden die Sicherungen wieder hineingedreht – woraufhin die Sirene überhaupt nicht mehr auslösbar war.
Ein nicht zu stoppendes Sirenengeheul ist ja tagsüber schon nervig, aber das war noch zu überbieten: Keine 2 Wochen später, in der Nacht vom 10. zum 11. 11. 1963, löste sich die Sirene im Unterdorf aus. Das gleiche Spiel – auch diese Sirene konnte nur durch das Entfernen der Sicherungen angehalten werden und war dann nicht mehr auslösbar.
Gleichzeitig fiel das gesamte Telefonnetz der Gemeinde aus, telefonieren war erst wieder ab Mittag möglich.
„Bei der FFw treten solche Meinungen auf“, stellt Bürgermeister Henning fest, „daß sie bei einem nochmaligen Alarm sich nicht bemühen zu brauchen, da vielleicht die Sirene wieder von unbekannter Stelle ausgelöst wurde.“

Die Antwort vom Rat des Kreises ist nicht überliefert, aber noch am 13. Januar 1964 wurde die FFw Mönchhagen nur im Oberdorf durch die Sirene alarmiert, während man im Unterdorf auf die Tremolofanfare zurückgegriffen hat.

Durch ein Feuer am Sonntag Mittag verbrannt beim Retten (Kirchenbuch des Kirchspiels Volkenshagen, 1903)

„In mönchhagen ist gestern der zu hufe nr 15 gehörige, mit stroh gedeckte tagelöhnerkaten nebst stall abgebrannt und sind beim retten von sachen die im katen wohnhaft gewesene tagelöhnerfrau witt sowie schmied leverenz und tagelöhner möller und schwerin im brennenden hause umgekommen, ausserdem tagelöhner jess an kopf und händen stark verbrannt.“
So telegrafierte das Domanialamt Toitenwinkel, in dessen Verwaltungsbezirk Mönchhagen damals lag, am 10. August 1903 an das Großherzogliche Finanzministerium Mecklenburg-Schwerin.
Ausführlicher berichtet der Rostocker Anzeiger (RA) am 11. August 1903 von diesem „entsetzlichen Brandunglück.“ Das Feuer brach mittags gegen 12 Uhr aus. Ein Augenzeuge berichtete, „daß man zuerst einen in der Mitte des Hofes liegenden Haufen Stroh brennen sah. Das Feuer breitete sich im Nu auf das Strohdach des aus Fachwerk bestehenden Wohnhauses und das […] Dach des massiven Stalles [aus].“
Die Bewohner des Wohnhauses, das Ehepaar Witt, kehrten gerade aus der Kirche in Volkenshagen zurück. „Frau Witt […] stürzte entsetzt in das brennende Haus, in dem Glauben, ihre Kinder befänden sich noch darin. Schrecklich klang ihr Rufen aus dem brennenden Gebäude […] und alarmierte die Nachbarn,“ schreibt die Mecklenburgische Zeitung (MZ) am 11. August. „Die Mutter stürzte sich mit Todesverachtung in das schon hell brennende Haus und rettete den Säugling,“ heißt es im RA. Die übrigen vier Kinder der Witts hatten draußen gespielt und befanden sich bereits in Sicherheit beim Vater. Nach den Unterlagen zur Volkszählung von 1900 und den Kirchenbüchern waren diese vier Kinder zwischen 2 und 6 Jahren alt, der Säugling erst 6 Wochen.
Obwohl der Hofbesitzer Schulze vor dem Betreten des brennenden Gebäudes warnte („Kein Mensch darf hineingehen! Laßt brennen, was brennen will!“ [MZ]), liefen noch acht Menschen wieder hinein, um Sachen zu retten. Binnen 5 Minuten war jeder Zugang zum Hause abgeschnitten und stand das Dach vollständig in Flammen. Zwei Personen – Lehrer Burmeister und dem anderen Katenbewohner Freimann – gelang es noch, nur leicht verletzt ins Freie zu kommen, dann stürzte das Dach ein. „[…] das Strohdach schoß herunter und versperrte die Tür, Mauerwerk und Balken brachen zusammen und prasselten nieder.“ [MZ] Man glaubte die Menschen bereits verloren, da gelang es den Arbeitern Wustnack und Jeß, ein Fenster einzuschlagen. „Durch das herunterschießende brennende Dach hindurch sprangen Jeß und Wustnack ins Freie“ [MZ], „während die anderen den Tod in dem Flammenmeer fanden.“ [RA] Weiter heißt es in der MZ: „Furchtbare Szene der Verzweiflung spielten sich auf der Brandstätte ab. Der Sohn des Schmiedemeisters Leverenz wollte sich in das brennende Haus stürzen, um seinem Vater Hilfe zu bringen; nur mit Mühe konnte er durch die Umstehenden von seinem verzweifelten Schritte zurückgehalten werden.“
Auch der Erbpächter Schulz, also der Hofbesitzer, blieb nicht untätig. Er heizte den Dampfkessel der ihm ebenfalls gehörenden Molkerei an und setzte Pumpen in Betrieb, die Wasser aus dem Peezer Bach zur Brandstelle förderten. „Die Leute, die zur Rettung herbeigeeilt waren, taten nun ihr Möglichstes, um das Feuer von dem ungefähr 10 Meter von der Brandstätte entfernt liegenden Wohnhause des Schmiedes Lewerenz abzuhalten, was ihnen auch gelang.“ [RA]
Der 59-jährige Schmiedemeister Karl Lewerenz selbst gehörte jedoch zu denjenigen, die in dem brennenden Katen den Tod fanden. Er war Vater von fünf Kindern – der älteste Sohn arbeitete mit 26 bereits als Schmiedegeselle und dürfte derjenige gewesen sein, der den Vater hatte retten wollen; der jüngste war erst 10 Jahre alt.
Außerdem fanden den Tod der 27-jährige Arbeiter Wilhelm Möller, der erst vor Kurzem geheiratet hatte und Vater eines noch „ganz kleinen Kindes“ war. Dieses Kind war ein Mädchen und erst 7 Monate alt. Möller hatte Ende Oktober 1902 die damals (gerade noch) 17-jährige Emma Luise Johanna geheiratet. Die junge Frau Möller wurde also mit nur 18 Jahren zur Witwe. (Und ehe jetzt jemand lange nachrechnet – das Kind kam gut zwei Monate nach der Hochzeit zur Welt ...).
Die dritte Tote war die 32 Jahre alte Frau Witt, das vierte Todesopfer der 63-jährige Tagelöhner Heinrich Schwerin, der beim Versuch, das Vieh aus dem brennenden Stall zu retten, ums Leben kam. „Diese drei wurden als stark verbrannte Leichen in der Kammer der Witt'schen Wohnung aufgefunden […]. Sie werden, vom Rauch erstickt, Opfer der Flammen geworden sein.“, heißt es in den Akten des Finanzministeriums.
Drei Tage später, am 12. August wurden die Brandopfer beerdigt, wie im Kirchenbuch des Kirchspiels Volkenshagen vermerkt ist (Alter und Vornamen werden in den Zeitungen leicht abweichend genannt, aber das Kirchenbuch dürfte hier die zuverlässigere Quelle sein):
„Sämtliche Verunglückten waren verheiratet, höchst angesehen, achtbare, fleißige und brauchbare Arbeiter,“
schreibt der Beamte des Großherzogl. Mecklenb. Amtes Toitenwinkel an das Finanzministerium während der Verhandlungen um die Bewilligung von Rentenzahlungen an die Verletzten und die Hinterbliebenen. Daraufhin haben der schwer verletzte Tagelöhner Jeß bis Ende 1907 und der nun verwitwete Hermann Witt bis Ende 1909 eine Unterstützung von jährlich 50 Mark bekommen. Witt bekam die Unterstützung, weil er ja nun eine Frau anstellen musste, die sich um die zum Teil noch kleinen Kinder kümmern konnte.
Jeß war vom Rostocker Anzeiger schon für tot erklärt worden: „Der Arbeiter Jeß wurde schwer verletzt in das hiesige Universitäts-Krankenhaus gebracht. Dem Benehmen nach hat der Unglückliche dort bereits seinen Geist aufgegeben.“ Er hat überlebt, hat aber lange im Krankenhaus gelegen und war danach arbeitsunfähig, weshalb ihm die lange Rentenzahlung gewährt wurde.
Die betroffene Hufe 15 lag übrigens etwa dort, wo heute das Feuerwehrgerätehaus steht, das ersehen wir aus einer alten Karte von der „Dorffeldmark Mönchhagen, D. A. [Domanialamt] Teutenwinkel“ von 1894. Gegenüber liegen heute noch alte Schmiedegebäude. Das Schulhaus lag ebenfalls direkt nebenan, in westlicher Richtung – heute beherbergt das Gebäude den Kindergarten. Schmied und Lehrer waren also direkte Nachbarn. Der Hof Nr. 15 war auch als Mittelhof bekannt, da der Erbpächter Schulze drei Höfe besessen hat.

Die Ecke an der alten Schmiede ...

... ist abgeschnitten. Das war nicht von Anfang an so und nicht der Originalität des Architekten geschuldet. Als einer der Mönchhäger Großbauern sich in den 1920er Jahren das erste Auto anschaffte, hatte er Schwierigkeiten, an der Stelle um die Ecke zu kommen, weil die Schmiede ihm die Sicht versperrte. Als Großbauer hatte er in der Gemeindevertretung eine entsprechend gewichtige Stimme, sodass der Schmied gezwungen wurde, den Winkel an seiner Gebäudeecke zu verändern, damit der Autofahrer besser gucken konnte ...

Der Knick in der Straße

An der Kreuzung zum Stillen Frieden geht die Dorfstraße nicht geradeaus weiter, sondern um ein paar Meter nach links versetzt.

Fährt man die Dorfstraße im Unterdorf in Richtung Westen, stößt man nach etwa 2 km auf die Stelle, wo sie die mittelalterliche Fischländer Landstraße kreuzt (diese stammt aus der Zeit, als Rostock seinen Hafen noch in Wustrow hatte). Biegt man nach rechts auf die alte Straße ein, heißt sie heute Stiller Frieden. Die Dorfstraße ist an dieser Stelle erst einmal zu Ende – man muss erst der Fischländer Landstraße ein Stück nach links folgen, um nach wenigen Metern wieder rechts abbiegen zu können, um zum Rosenhof und den letzten Häusern an der Dorfstraße zu gelangen.

Man fragt sich, warum die Dorfstraße an dieser Stelle einen Knick hat und nicht einfach gerade über die Fischländer Landsraße hinweggeht?

Es war nicht immer so ein scharfer Knick, früher machte der Weg eher einen seichten Bogen. Der Grund für diesen Bogen war ein Stall, der mitten auf der Straße stand. An dieser Kreuzung lag bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ein Krug und der Krüger hatte sein Stallgebäude aus Platzgründen kurzerhand genau auf der Dorfstraße errichtet. Seine Stimme muss im Dorf einiges Gewicht gehabt haben, denn er musste nicht etwa den Stall abreißen, sondern die Straße wurde verlegt und macht seit der Zeit einen Knick an dieser Stelle.

Quelle: Norbert Grosser: Chronik des Dorfes Mönchhagen

Der Schneewinter 1978/79

(Foto: P. Lange)

Die FFw Mönchhagen hat den Schneewinter von vor 35 Jahren gut dokumentiert. Zur Silvesternacht 1978 gibt es einen Einzelbericht: „Das Jahr 1978 verabschiedete sich auf besondere Art, es bescherte uns einen Schneesturm, wie es jahrelang keinen gab. Die Kameraden, die noch aus dem Haus kamen, wurden zu einem Einsatz nach Bentwisch alarmiert. Dort mußte ein Zug aus einer Schneewehe geschaufelt werden.“
Danach war keine Zeit mehr für Einzelberichte, nur einen anschließende Rückblick – denn dies war nur ein Vorgeschmack für den Schneesturm im Februar, der „uns 14 Tage in Atem“ hielt. Erneut gab es mächtige Schneefälle; 4 m hohe Wehen türmte der Sturm auf. „Wo die Dorfstraße war, konnte man nur ahnen.“ Weil Zug- und Straßenverkehr eingestellt waren, wurden Lebensmittel knapp. „Die Kameraden holten von Bentwisch vom Bäcker Brot. Viele alte Leute der Gemeinde waren völlig eingeschneit und mußten freigeschaufelt werden.“ Da die Straßen nicht befahrbar waren, versorgten die Kameraden die Rentner mithilfe eines Kinderschlittens: Darauf „hatten sie eine Kuchenkiste und darin 30 Brote, dazu die Butter“. Auf ihrem Weg über die Schneewehen sanken sie „oft bis zu den Schultern ein“. Sobald möglich „wurden Versorgungsfahrten unternommen (Fleisch aus Blankenhagen, Medizin nach Bentwisch für den Milchviehstall, Wurst und Getränke von Rostock geholt.)“ Andere Kameraden schippten tagelang Schnee, damit die Viehställe versorgt werden konnten – insgesamt 800 Einsatzstunden während der Schneekatastrophe. Und danach ging es weiter, als der Schnee schmolz, mussten Keller leergepumpt werden. „Viele Stunden brauchte es, den Heizungskeller der Gärtnerei vom Wasser zu befreien, da sonst die Setzlinge erfroren wären.“